Nachbau einer frühmittelalterlichen Leier. Foto: Katrin Oberländer

Die Meinungen zu ihrer Sangeskunst mögen auseinandergehen. Doch Troubadour wie Troubadix leisten Unverzichtbares für ihre Gemeinschaft.

Trobador (okzitanisch) oder Troubadour (französisch) ist einer, der Geschichten „findet“, vermutlich von okzitanisch trobar „finden“, „dichten“. Er bringt sie in Form und trägt sie singend vor. Oft begleitet er sich dazu auf Harfe, Fidel oder Rotta, einem Saiteninstrument ähnlich der Leier, die der späte Kollege Troubadix so gerne anschlägt. Frauen, die sich dieser Kunst widmen, heißen Trobairitz.

Im Mittelalter hoch geschätzt, breitete sich die Sangesdichtung der Troubadoure ab dem 11. Jahrhundert von Südfrankreich über Europa aus und erreichte als Minnesang den deutschsprachigen Raum. Ein Erfolg, von dem Troubadix nur träumen kann. Wer kennt sie nicht, die Ausflüchte der Dorfbewohner, sobald er ein Lied singen will: „Ich muss noch einen Haufen Hinkelsteine ausliefern …“ ‒ „Der Himmel möge mir auf den Kopf fallen! Es ist schon spät!“

In einer Zeit, die deutlich stiller gewesen sein dürfte als heute, ohne andauernde akustische und andere Ablenkung, müssen Musik und Tanz eine ganz andere Anziehungskraft besessen haben. Spielleute brachten im Mittelalter Neuigkeiten und Unterhaltung. Als Außenseiter konnten sie gesellschaftliche Verhältnisse aufs Korn nehmen, wie es sonst nur in der Ausnahmezeit der Fastnacht möglich war – ein Beitrag zum sozialen Frieden.

Geschätzt und ausgehalten

Auch Troubadix ist ein Außenseiter. Er lebt am oberen Rand der Dorfgemeinschaft in einem Baumhaus. Dort lässt er seine genialen Erfindungen wie Zirpoline oder Schrillinette mal mehr, mal weniger ungehindert erklingen. Gelegentlich darf er die Kleinen unterrichten. Beim Festbankett ist er gemeinhin gefesselt und geknebelt, meist, weil er ein Lied angekündigt hat. Wenigstens als Prügelknabe sorgt er für allgemeine Entspannung.

Immerhin ist Troubadix neben Majestix und Miraculix Mitglied des Dorfrates. Eine solch herausgehobene Stellung hatten nicht alle Troubadoure. Sie waren Adlige, Kleriker oder auch Bürgerliche. Viele waren arm und abhängig von der Gunst reicher Gönner. Doch als Dichter waren sie Gleiche.

Troubadoure pflegten eine ausgefeilte Reim- und Strophentechnik, die ihr Publikum auch zu schätzen wusste. Und sie bedienten sich hemmungslos am geistigen Eigentum ihrer Kollegen. Da wurden bekannte Lieder neu erfunden oder Melodien zweckentfremdet und weitergetragen. Was macht Troubadix doch aus dem Volkslied „Waldeslust“? „Ihr lieben Römerlein, stimmt in mein Lied mit ein, und singt aus voller Brust …“

Burg Blankenberg bei Hennef. Foto: Katrin Oberländer
Burg Blankenberg bei Hennef. Foto: Katrin Oberländer

Belebende Utopie

In „Asterix der Gallier“ darf Troubadix sogar zum Tanz aufspielen. Seine Anweisung „Zieht euch am Schnurrbart!“ führt prompt zur Enttarnung eines römischen Spions. Womit wir bei einem wesentlichen Unterschied zwischen Troubadix und seinen großen Namensgebern wären. Die Troubadourdichtung des 11. bis 13. Jahrhunderts widmete sich vornehmlich der Minne, der Liebe in all ihren Ausprägungen. Ihre Verehrung der Frau und der tugendhaften höfischen Liebe war geradezu Utopie. Damit bot sie einen Gegenentwurf zu den tatsächlichen Verhältnissen in der Gesellschaft. Troubadix‘ dichterisches Finden in römischer Kulisse konzentriert sich eher auf Kampf-, Trink- oder Heimatlieder mit handfesten Folgen.

So erweist sich Troubadix‘ Name doch als geniale Erfindung der Übersetzerin Gudrun Penndorf, der wir auch die Neudichtung vieler altbekannter Schlager verdanken. Sein wahres Wesen offenbart sein französischer Name, Assurancetourix, was so viel bedeutet wie Vollkaskoversicherung. Denn Troubadix kann mit seinem unbeschreiblichen Gesang Regen machen und eine Dürreperiode beenden. Er singt Römer in die Flucht und lehrt nicht nur Löwen, sondern sogar die Normannen das Fürchten. Nebenbei gibt er ihnen ein Heilmittel gegen Schluckauf. Unschätzbar in allen Lebenslagen – leider nur im Comic.

Doch ob Utopie oder Comic: Ohne Troubadour und Troubadix wäre die Welt bedeutend farbloser. (ko)

Von Troubadix inspiriert

Aargauer LiedermacherInnen-Fest