Die Bienenkönigin. Foto: Katrin Oberländer

Die Eifeler Märchenerzählerin Angelika Coppers vereint beides: eine zauberhafte Erzählkunst und ein märchenhaftes Umweltbewusstsein. Mit ihrem Märchen-Puppenspiel „Die Bienenkönigin“ gab sie eine Kostprobe beim 11. Eifeler Kräutertag am 02.06.2019 in Nettersheim.

„Tritt ein ins Märchenland!“

Raus aus dem geschäftigen Treiben im Naturzentrum Nettersheim, einmal um das historische Bauernhaus von 1896 herum, rein in die Scheune und die steile Stiege empor. Dort, im Halbdunkel zwischen historischem Gerät und Nistkästen, steht eine Tischbühne. Die Märchenerzählerin Angelika Coppers (Jg. 1961) erwartet ihre kleinen und großen Zuhörer*innen.

Die Augen brauchen einen Moment, um sich nach der prallen Sonne an das gedämpfte Licht zu gewöhnen. Schon beginnt Angelika Coppers zu singen und lässt ein Tuch über das Publikum schwingen: „Tritt ein ins Märchenland!“ Wie um alle Zweifel zu zerstreuen, dass das Publikum tatsächlich in einer anderen Welt gelandet ist, entzündet sie Kerzen und gibt Klein und Groß einen Tropfen Rosenöl in die Handfläche. Da halten auch die Erwachsenen andächtig die Hände bereit. Das Öl verrieben, das Gesicht wach gestrichen, und auch die Sinne sind bereit. Jetzt noch ein wenig Goldstaub auf jeden Kopf, und als die Kalimba erklingt, ist die Atmosphäre perfekt: angekommen in der Märchenwelt.

Der Weg ins Märchenland. Foto: Katrin Oberländer
Der Weg ins Märchenland.
Foto: Katrin Oberländer

Wissenswertes aus dem Bienenstock

Was die Märchenerzählerin aus Blankenheim in den folgenden Minuten von dem Bienchen Summsumm und seinen 50.000 Freundinnen und Freunden im Bienenhaus erzählt ‒ etwa dass sie den Bienenstock erst im wärmeren Frühjahr verlassen; oder wie Summsumm ihrem Bienenvolk im Tanz übermittelt, wo die erste, blaue Blume zu finden ist ‒, das ist nicht nur schön anzuhören, sondern auch lehrreich. Und es passt zum Eifeler Kräutertag, der jedes Jahr zum Frühsommer die Eifeler Kräuterpracht ins Blickfeld rückt und ihre vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Unkrautküche bis Naturheilkunde.

Das Märchen kommt zu Bienchen Summsumm im Traum. Es ist die Geschichte von zwei Königssöhnen, die sich für besonders gewitzt halten, in die Welt hinaus ziehen und im Wirtshaus enden. Ihr jüngster Bruder, den sie den Dummling nennen, führt sie zu einem verwunschenen Schloss, in dem das Leben zu Stein erstarrt ist. Auf dem Weg lässt er nicht zu, dass die Älteren den Tieren ein Leid zufügen. Darauf sind es die Tiere ‒ allen voran die Bienenkönigin ‒, die dem Jüngsten helfen, eine für Menschen unlösbare Aufgabe zu erfüllen und das Schloss zu erlösen.

Der Jüngste achtet die Natur und gewinnt

Die blaue Blume. Foto: Katrin Oberländer
Genug Nektar für alle. Foto: Katrin Oberländer

So gewinnt derjenige, der die Tiere achtet, die begehrte Königstochter und rettet das Leben. Eine Vision, wie sie nicht zeitgemäßer und dringlicher sein könnte. Grimms Märchen ist dieses Mal gutmütig: Für die älteren Brüder gibt es auch eine Königstochter. Und für die Zuhörer*innen in der Scheune einen Löffel köstlichen Eifeler Honig auf der Zunge und ein selbstgemachtes Bienchen in der Hand.

Die Geschichte ist zuende. Die Requisiten auf der Tischbühne strahlen, eben erst durch Worte zum Leben erweckt. Angelika Coppers löscht die Kerzen, singt noch einmal und entlässt das Publikum aus dem Märchenland. Was es mitnimmt? Womöglich den festen Willen, die Bienen zu retten. Das ist Umweltbildung, märchenhaft verpackt. (ko)

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Zum Naturzentrum Eifel, Nettersheim

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