Krone. Foto: Katrin Oberländer

So mögen manche heute beten, denn der 14. Mai ist der Tag der heiligen Corona. Dabei gehörte das Abwenden von Seuchen nicht immer zu ihrer Kernkompetenz, wie ihre bewegte Geschichte zeigt.

Es war einmal … die heilige Corona.
Vielleicht hat sie in Damaskus in Syrien gelebt oder in Antiochia in der heutigen Türkei. Vielleicht in Sizilien oder Marseille oder gar in Alexandria in Ägypten. Ihre Legende lässt unserer Fantasie weiten Raum, und es gibt keinerlei historische Quellen, die ihn begrenzen. Corona ist offensichtlich eine weltgewandte junge Frau. Ihr Name bedeutet „Krone“, und so wird Corona in ihrer Schönheit mit Sicherheit die Krone der Jugend gewesen sein und nicht einfach eine schlichte Märtyrerin. Ja, Märtyrerin, aber wir wollen ihrem Schicksal nicht vorgreifen. Nahm es seinen Ausgang im 2. Jahrhundert in Syrien oder im 3. Jahrhundert in Ägypten? Wir haben die Wahl. Corona hält offensichtlich den Zeitläuften stand. Und so könnte es gewesen sein:

Glaube und Politik

Corona stand in der Blüte ihrer Jugend. Mit ihren 16 Jahren war sie verliebt, verlobt und vielleicht sogar verheiratet mit dem römischen Soldaten Victor. Der stammte aus einer christlichen Familie und hatte Corona von Jesus Christus erzählt. In ihrer jugendlichen Begeisterung war sie sofort zu dem neuen Glauben übergetreten. Victor hatte sie selbst getauft, und so verband die beiden eine herzliche Glaubensgemeinschaft. Bis eines Tages die Politik dazwischen kam, die Innenpolitik.

Der römische Kaiser hatte auf einmal Zeit. An den Grenzen herrschte einigermaßen Ruhe, Widersacher waren mehr oder weniger unter Kontrolle. Der Kaiser konnte sich dem Innenleben seines Reiches zuwenden. Und da besann er sich auf alte Werte. Beamte und Soldaten sollten den altrömischen Göttern opfern. Andernfalls wurden sie entlassen. Ja, mehr noch: Sie sollten dem Kaiser selbst opfern. Wer das nicht tat, dem drohte der Tod.

Romanus, römischer Soldat und Christ – und Victors Vater, sagte dem neuen Glauben sofort ab und opferte dem Kaiser. So weit ging die Liebe zu Jesus Christus dann doch nicht. Nicht so sein Sohn. Victor, ein aufrechter Christ, weigerte sich, dem Kaiser zu opfern. Also wurde er gefoltert. Ein Keil sollte getrieben werden zwischen ihn und seinen Gott. Doch Victor blieb standhaft, denn er fand Trost und Zuspruch in Corona. Sie lobpries ihn und ermutigte ihn. Victor verlor den Kopf. Er erlitt das Martyrium und erlangte siegreich das ewige Leben.

Ein anderes Leben

Corona sah zwei Kronen vom Himmel fallen, die eine für Victor, die andere für sich. Und so kam es dann auch: Die Folterknechte hatten wohl bemerkt, wer Victor immer wieder angefeuert hatte, bis er schließlich mit seinem Glauben verschied. Sie knöpften sich die junge Frau vor. Corona wurde verhaftet, verhört, gemartert. Doch auch sie blieb unbeirrbar bei ihrem Gott, ob in Syrien oder in Ägypten. Wo auch immer sie war, dort gab es Palmen. Und die besiegelten ihr Schicksal: Die Folterknechte bogen zwei Palmen herab und banden Corona links an die eine, rechts an die andere. Als die Plamen zurückschnellten … ließ sie ihr irdisches Leben – und gewann ein anderes.

Mit dem physischen Tod war Coronas irdischer Lauf keineswegs beendet, im Gegenteil. Ihre Reise in die Welt ging jetzt erst richtig los, ganz ohne eigenes Zutun. Ob es tatsächlich die Gebeine der jugendlichen Märtyrerin waren, die da von Ägypten nach Norditalien reisten, sei dahingestellt. Fest steht, dass Corona bereits im 6. Jahrhundert in Norditalien bekannt war und sich mit Victor mehr als eine Kirche teilte. Um 1100 erhielten die beiden eine eigene Basilika in Feltre. Einige Knochen Coronas gelangten auch nach Aachen. Sie liegen heute in einem Schrein in Gesellschaft des heiligen Leopardus. So ist sie auch Mitmatrone des Aachener Doms. Weitere Teile Coronas wurden nach Prag und Bremen verstreut. Doch auch ohne handfeste Transportmittel kam Corona herum. Spätestens ab dem 14. Jahrhundert wurde sie in Bayern, Böhmen und Österreich verehrt, vielfach bis heute.

Weit herumgekommen. Foto: Katrin Oberländer

Schatzmeisterin mit neuem Wirkraum

Dabei gilt Corona als Schutzmatrone der Schatzgräber und Metzger, in Geldangelegenheitein und in der Lotterie. Metzger?! Das lässt sich vielleicht mit ihrer Todesart erklären. Aber Schatzgräber? Geld? Gut, Münzen hießen und heißen gerne „Krone“. Und im 17. und 18. Jahrhundert sollte Corona, die „Schatzmeisterin über alle Schätze der ganzen Welt“, einer besonderen Art der Magie dienen, dem „Schatzheben“. Dabei „ermahnte“ der Magier Corona bei ihrem blutigen Märtyrertod, sie solle Gott, den Allmächtigen, dazu bringen, dass er ihn „wolle berathen und begaben mit einem Schatz oder Sack mit Geld“ – zu Gottes Lob und Preis selbstverständlich und nicht selten zur Bereicherung dessen, der die magische Dienstleistung verkaufte. Damalige Gerichte sahen darin Betrug, die Heilige selbst womöglich Nötigung. Jedenfalls rückt auf Coronas Agenda derzeit eine neue Aufgabe ganz nach oben: die Abwendung von Seuchen. Vielleicht erobert sich die Heilige gerade einen weiteren Schaffensraum. Wir können sie darin nur unterstützen.

Der Tag der heiligen Corona ist in unseren Breiten der 14. Mai. Die orthodoxe Kirche feiert ihn am 11. im 11., dem Beginn der fünften Jahreszeit. Ein wahrhaft passendes Datum für eine so unfassbar wandelbare Frau.