Erzählen will berühren: Jenny Ulbricht (1/2)

Freies Erzählen lebt von Verbundenheit und Berührung. Wie der heiße Draht zum Publikum funktioniert, erklärt die Stimmtrainerin und Schauspielerin Jenny Ulbricht im Interview. Ein Auszug.

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Tipps für Erzählende: Jenny Ulbricht (2/2)

Stimmtrainerin und Performance Coach Jenny Ulbricht teilt im Interview ihre Erfahrungen, wie Erzählen gelingen kann. Ein Auszug.

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Leibhaftiges Erleben

Jenny Ulbricht im Gespräch mit Katrin Oberländer über das Geschichtenerzählen. Zum Nachhören

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Geschichten mit Löffeln gegessen: Vom kleinen Volke

Vom 29.11. bis zum 08.12.2019 gastiert das Theater „Vom kleinen Volke“ auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg. Mit dabei: detailverliebte Puppen, sagenhafte Geschichten aus dem hohen Norden und die Erzählerin Iris Schenk.

Jedes Requisit birgt eine Geschichte

Wenn Iris Schenk (Jg. 1965) eine Puppe von der Bühne aufnimmt, beginnt die Geschichte, wortreich und unter vollem Körpereinsatz. Während vor dem inneren Auge nordische Schneelandschaften und die wärmenden Strahlen der ersten Frühlingssonne vorbeiziehen, hört das Publikum von den Zwillingen Feuer und Eis. Im Kampf miteinander versinken sie in der schmelzenden Erde und lassen so die Geysire entstehen. Wieder zurück auf der rohen Bretterbühne auf dem Siegburger Weihnachtsmarkt zeigt ein Kind auf eine andere Puppe, und die Begeisterungswelle rollt von Neuem.

Iris Schenk und ihr Mann Oli Loeser (Jg. 1962) vom Theater Vom kleinen Volke haben vor ihrem Bühnenstoff eine nordische Winterwelt aufgebaut. Figuren wie der Steinbeißer, die Wuschpugge oder Loki, der Gott des Wahnsinns, bevölkern sie. Die gelernte Juwelierin hat jede Puppe selbst gefertigt bis ins Detail. Und zu jeder Puppe, jedem Requisit weiß sie eine Geschichte zu erzählen. Das Publikum zeigt auf den Gegenstand, dessen Geschichte es hören will, und bestimmt so das Programm mit. Der Instrumentenbauer Oli Loeser begleitet auf der mittelalterlichen Laute.

Theater Vom kleinen Volke
Theater Vom kleinen Volke. Foto: Katrin Oberländer

Den Wurzeln unserer Sprache auf der Spur

Seit 2003 reist das Theater „Vom kleinen Volke“ mit mobiler Bühne von Berlin aus zu Märkten und Festen bundesweit. Im Gepäck haben die beiden unterschiedliche Bühnendekorationen mit Puppen, Requisiten und den dazugehörigen Geschichten. Jede Bühne entführt in eine andere Welt, sei es in die Welt der Trolle oder zu den christlichen Sagen. Und zu jeder gehören um die 30 Geschichten, aus denen das Publikum frei wählen kann. Keine Vorstellung gleicht der anderen, und das an 30 bis 40 Wochenenden im Jahr.

Was allerdings gleich bleibt, ist die Begeisterung für Sagen und Legenden des frühen Mittelalters. Etwas Besonderes wollte sie machen, sagt die Grimm-Hasserin, Geschichten erzählen, die noch nie jemand gehört hat, zum Staunen bringen und etwas mitgeben, nämlich den Ursprung von Redewendungen, Sprichwörtern oder Namen.

Da ist etwa die Geschichte vom Gott Loki, der die Weisheit vor den Menschen in einem Kürbis verstecken will. Der Kürbis zerbirst in unzählige Stücke. Die Menschen essen das süße Kürbisfleisch, die einen nur mit den Händen, die anderen löffelweise. Das erklärt nicht nur die bekannte Redewendung, sondern auch, warum die Weisheit unter den Menschen so ungleich verteilt ist.

Alte Schätze hüten

Iris Schenk jedenfalls muss Geschichten mit Löffeln gegessen haben. Ihren größten Schatz hat sie bei einer Burgauflösung nach der Wende gefunden: eine alte Bibliothek. Doch auch ihr Publikum ist eine wahre Schatztruhe, gerade die ältere Generation. Nach manch einer Vorstellung hört sie neue Geschichten wie diese über die Zeit.

„Im hohen Norden, wo alle Berge aus Eis sind, gibt es einen Berg aus Bergkristall. Den wird nie jemand entdecken, denn er fühlt sich an wie Eis, und er sieht aus wie Eis, und er ist genauso kalt wie Eis. Aber alle 100 Jahre kommen 100 schwarze Raben zu diesem Berg und wetzen ihre Schnäbel daran. Und wenn der ganze Berg abgewetzt ist, dann ist eine Sekunde der Ewigkeit vergangen.“

Damit das Publikum die Geschichten nicht nur hört, sondern auch begreift und weitererzählt, darf es die Puppen und Requisiten nach jeder Erzählung in die – „fettfreien und schokoladenfreien“ – Hände nehmen. So sollen Fantasie und Staunen erhalten bleiben, denn das treibt Iris Schenk an: „Wir haben 100 Generationen gebraucht, um zu werden, was wir sind, und wir brauchen nicht einmal zehn, um das alles wieder zu verlieren, weil wir uns nicht die Zeit für Sprache nehmen.“ Keine leichte Aufgabe, die Iris Schenk und Oli Loeser sich da gewählt haben: die Schönheit der Sprache, die Kreativität, die Fähigkeit zuzuhören zu erhalten. Es gelingt ihnen mühelos. (ko)

Theater Vom kleinen Volke
Vom kleinen Volke in Siegburg 2019. Foto: Katrin Oberländer

Wer mit dem Theater „Vom kleinen Volke“ zuhören, staunen und begreifen will, hat dazu noch bis zum 08.12.2019 Gelegenheit auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg.

Mehr zum Theater Vom kleinen Volke

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Märchenhafte Umweltbildung

Die Eifeler Märchenerzählerin Angelika Coppers vereint beides: eine zauberhafte Erzählkunst und ein märchenhaftes Umweltbewusstsein. Mit ihrem Märchen-Puppenspiel „Die Bienenkönigin“ gab sie eine Kostprobe beim 11. Eifeler Kräutertag am 02.06.2019 in Nettersheim.

„Tritt ein ins Märchenland!“

Raus aus dem geschäftigen Treiben im Naturzentrum Nettersheim, einmal um das historische Bauernhaus von 1896 herum, rein in die Scheune und die steile Stiege empor. Dort, im Halbdunkel zwischen historischem Gerät und Nistkästen, steht eine Tischbühne. Die Märchenerzählerin Angelika Coppers (Jg. 1961) erwartet ihre kleinen und großen Zuhörer*innen.

Die Augen brauchen einen Moment, um sich nach der prallen Sonne an das gedämpfte Licht zu gewöhnen. Schon beginnt Angelika Coppers zu singen und lässt ein Tuch über das Publikum schwingen: „Tritt ein ins Märchenland!“ Wie um alle Zweifel zu zerstreuen, dass das Publikum tatsächlich in einer anderen Welt gelandet ist, entzündet sie Kerzen und gibt Klein und Groß einen Tropfen Rosenöl in die Handfläche. Da halten auch die Erwachsenen andächtig die Hände bereit. Das Öl verrieben, das Gesicht wach gestrichen, und auch die Sinne sind bereit. Jetzt noch ein wenig Goldstaub auf jeden Kopf, und als die Kalimba erklingt, ist die Atmosphäre perfekt: angekommen in der Märchenwelt.

Der Weg ins Märchenland. Foto: Katrin Oberländer
Der Weg ins Märchenland.
Foto: Katrin Oberländer

Wissenswertes aus dem Bienenstock

Was die Märchenerzählerin aus Blankenheim in den folgenden Minuten von dem Bienchen Summsumm und seinen 50.000 Freundinnen und Freunden im Bienenhaus erzählt ‒ etwa dass sie den Bienenstock erst im wärmeren Frühjahr verlassen; oder wie Summsumm ihrem Bienenvolk im Tanz übermittelt, wo die erste, blaue Blume zu finden ist ‒, das ist nicht nur schön anzuhören, sondern auch lehrreich. Und es passt zum Eifeler Kräutertag, der jedes Jahr zum Frühsommer die Eifeler Kräuterpracht ins Blickfeld rückt und ihre vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Unkrautküche bis Naturheilkunde.

Das Märchen kommt zu Bienchen Summsumm im Traum. Es ist die Geschichte von zwei Königssöhnen, die sich für besonders gewitzt halten, in die Welt hinaus ziehen und im Wirtshaus enden. Ihr jüngster Bruder, den sie den Dummling nennen, führt sie zu einem verwunschenen Schloss, in dem das Leben zu Stein erstarrt ist. Auf dem Weg lässt er nicht zu, dass die Älteren den Tieren ein Leid zufügen. Darauf sind es die Tiere ‒ allen voran die Bienenkönigin ‒, die dem Jüngsten helfen, eine für Menschen unlösbare Aufgabe zu erfüllen und das Schloss zu erlösen.

Der Jüngste achtet die Natur und gewinnt

Die blaue Blume. Foto: Katrin Oberländer
Genug Nektar für alle. Foto: Katrin Oberländer

So gewinnt derjenige, der die Tiere achtet, die begehrte Königstochter und rettet das Leben. Eine Vision, wie sie nicht zeitgemäßer und dringlicher sein könnte. Grimms Märchen ist dieses Mal gutmütig: Für die älteren Brüder gibt es auch eine Königstochter. Und für die Zuhörer*innen in der Scheune einen Löffel köstlichen Eifeler Honig auf der Zunge und ein selbstgemachtes Bienchen in der Hand.

Die Geschichte ist zuende. Die Requisiten auf der Tischbühne strahlen, eben erst durch Worte zum Leben erweckt. Angelika Coppers löscht die Kerzen, singt noch einmal und entlässt das Publikum aus dem Märchenland. Was es mitnimmt? Womöglich den festen Willen, die Bienen zu retten. Das ist Umweltbildung, märchenhaft verpackt. (ko)

Mehr zu Angelika Coppers

Zum Naturzentrum Eifel, Nettersheim

Das Märchen „Die Bienenkönigin“ zum Nachlesen

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Ich könnte in allen Tempeln und Kirchen der Welt beten

Die Franziskanerin Marie-Claire Vogt ist ihren ganz eigenen Weg gegangen von der katholischen Kirche zu einer universellen Religion. Herzstück ihres Lebenswerks ist Temenos, Zentrum für Initiatisches Wachsen in Süd-Limburg, Niederlande. Ein Porträt

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Mythen spiegeln Menschheitsthemen: Marie-Claire Vogt (1/3)

Mythen und Märchen ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Im Interview erzählt Marie-Claire Vogt, Mitgründerin und -leiterin von Temenos, Zentrum für Initiatisches Wachsen in Süd-Limburg, Niederlande, was Mythen so faszinierend macht und wie wir sie heute immer noch leben, ganz selbstverständlich.

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Mythen übersteigen religiöse Engführung: Marie-Claire Vogt (2/3)

Ob ein Mythos von Osiris oder Jesus erzählt, letztendlich erzählt er von jeder und jedem. Mythen öffnen den Blick für das, was größer ist als wir selbst.

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Grimms Märchen waren wunderbar und grausig: Marie-Claire Vogt (3/3)

Mythen, Märchen und Geschichten regen nicht nur Kinder an. Mit ihrer Lebensnähe faszinieren sie auch noch Erwachsene.

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Geschichtenerzählen gehört zum Menschsein: Raymond den Boestert (1/3)

Raymond den Boestert ist Geschichtenerzähler der ersten Stunde in den Niederlanden. Er hat die Vertelacademie in Utrecht mitgegründet und bildet auch in Deutschland Geschichtenerzähler aus an der Akademie für Kulturelle Bildung in Remscheid. Im Interview spricht er darüber, was Geschichtenerzählen besonders macht und welchen Beitrag Geschichtenerzähler*innen für die Gesellschaft leisten können.

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